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„Hand-Werk" im MQ - Künstler Roland Bauer
(Stadtteilzeitung MQ Januar/2013 - Norbert Hilbig/Redaktion)

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In der Vortragsreihe „Hand-Werk im MichaelisQuartier" präsentieren verschiedene Einrichtungen im Stadtteil ihr „Hand-Werk". Nachstehend berichtet Norbert Hilbig über den im MichaelisQuartier ansässigen Künstler Roland Bauer (aus: Norbert Hilbig, „Reden über Kunst - über Kunst reden", Verlag Druckhaus Köhler, Harsum bei Hildesheim 2012).

Geboren 1943 in Schönfeld (Sudetenland), seit 1969 Fensterinstallationen bei der Gold- und Silberschmiede Blume Hildesheim, seit 1987 Mitglied im Bund Bildender Künstler (BBK) Hildesheim, Beteiligung an sämtlichen Gruppenausstellungen des BBK im In- und Ausland, seit 2001 Ausstellungsleiter in der Galerie im Stammelbach-Speicher in Hildesheim.

 

Zahlreiche Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen.

Gehen wir, um ihn kennenzulernen, zu Roland Bauer nach Hause, machen wir uns dort kundig. Er wohnt und arbeitet mitten in der Stadt, in der Nähe der Michaeliskirche. Man geht über einen Hof zu einem Hinterhaus hin und gelangt durch eine große Tür in sein Atelier. Und das ist mehr als ein Atelier, Roland nennt es Werkstatt, oder Ideenlager. Wie es auch heißen mag, es ist immer mit Leben angefüllt. Lebensraum. Lebenswelt. Hier werden Hölzer verwahrt, Federn, Körbe, Knochen, Eisen, Leder, Seile, Stangen, Stoffe. Ungezählte gerahmte Bilder stehen gestapelt an die Wände gelehnt, große Skulpturen und Teile von Installationen davor. Asservate, wohin man sieht. Dazwischen Zeichentische, Arbeitstische; irgendwas ist immer gerade in Arbeit, irgendwas entsteht gerade, man steigt – wenn man hereinkommt – immer in eine Geschichte ein, die sich gerade selbst erzählt. Ja, es erzählen all diese Objekte geheimnisvolle Geschichten; es ist, als hätte Roland Bauer sie das Sprechen gelehrt.

Wo kriegt der Bauer das ganze Zeug her? Zähne eines Sägerochen, das „Schwert" eines Schwertfischs, Riemen aus einem Ochsengeschirr? Einen Sägerochenzahn bringt die Nachbarin, die hat eine Tante, und die hatte einen Zoo-Laden in der Burgstraße, und diese Nachbarin hatte das Ding nun im Keller und hat gesehen, dass der hier her gehört. So passiert das. Ein anderer Nachbar hat an der Ostsee ein Stück verkohltes Holz gefunden. In der Brandung war es angeschwemmt. Er nimmt es mit. Bringt es Roland. Der sieht die Skulptur, die das Stück von sich aus ist. Was macht man damit? Jetzt geht es los - Roland schafft für die Fundstücke Rahmungen und lässt die Dinge sich zeigen. Er gibt ihnen Namen, so, wie man Kindern Namen gibt. Er nennt sie „Monstranzen". Und dann passiert, was im Lateinischen monstro ausgedrückt und mitgedacht ist: zeigen, weisen, andeuten, unterweisen, lehren. Die Objekte werden zu ästhetischen Lehrmeistern, sie zeigen, was ihnen eigen ist, was ihnen an ästhetischer Kraft innewohnt. Sie lehren uns, sie zu sehen als das, was sie von sich aus sind, und was sie dann doch erst werden in diesem künstlerischen Zeigeprozess. Sie werden, was sie immer schon waren und sind es doch erst jetzt. Wahrzeichen. Wunderzeichen.