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Wandmalerei in der Michaelisstraße 53-54 / Neugestaltung einer Fassade

(Stadtteilzeitung MQ April 2012)

Das Gebäude Michaelisstraße 53–54 erhält in Kürze ein neues Gesicht. Mit einer Wandmalerei wird nicht nur die westliche Fassade des Gebäudes aufgewertet. Das Ergebnis soll auch positiv in das Straßenbild einwirken und zu einer städtebau-lichen Verbesserung führen. Im nachfolgenden Interview berichtet ein Mitarbeiter der Firma Simchen Immobilien Management GmbH als Verwalter des Objektes über die Reaktionen der Eigentümer zu dem Vorhaben. Livia Baum, selbstständige Farbdesignerin und Trendforscherin, stellt den Entwurf vor. Thomas Granseuer, Künstlerkollektiv Quintessenz Creation, erläutert die Umsetzung und die Farbgestalterinnen Sabrina Federschmid und Carla Volle, ehemalige Studentinnen der HAWK Gestaltung, berichten von dem Farbkonzept und den positiven Ergebnissen.


1. Was waren die Beweggründe für eine Sanierung am Gebäude?
Mitarbeiter Simchen: Eine Sanierung des Gebäudes stand schon vor geraumer Zeit im Vordergrund. Der Anstrich der Fassade und neue Fenster nach historischem Vorbild sind nun für das erste Quartal 2012 vorgesehen. Durch die Medien sind die Eigentümer darauf aufmerksam geworden, dass das Michaelisquartier umgestaltet werden soll und es im Einzelfall auch Zuschüsse aus einem Sanierungsprogramm gibt.
2. Wie war die Reaktion der Eigentümer?
Mitarbeiter Simchen: Da es sich um eine Eigentümerge-meinschaft mit fast 40 Eigentümern handelt, ist der Abstimmungsprozess eine besondere Herausforderung. Hilfreich war das gemeinsame Gespräch mit dem Beirat, eine Interessenvertretung aller Eigentümer. Diese hat dann auch in einer Eigentümerversammlung 2011 das Vorhaben vorgestellt. Die Reaktionen der Eigentümer waren sehr positiv; sie danken der Firma Simchen Immobilien Management GmbH als Verwalter. Es gab einen 100 % Beschluss der Eigentümer-gemeinschaft. Der Gemeinschaft wurden mehrere Motive für die Gestaltung der Giebelfläche vorgelegt. Man sprach sich für die Farbgestaltung mit dem Motiv der Michaeliskirche im Hintergrund aus. Dieses würde das Gebäude noch mehr aufwerten. Es gab nur positive Reaktionen bezüglich der Wandmalerei.
3. Wie kam es zu der Idee des Fassadenentwurfs?
Livia Baum: Die Michaeliskirche ist das prägende Bauwerk innerhalb des Michaelisviertels und spielt aus städtebaulicher Sicht eine wichtige Rolle. Das neu entwickelte Grafikkonzept für die Michaelisstraße 53–54 ist eine Mischung von typischen Elementen aus dem Inneren der Michaeliskirche und der äußeren Form, die spielerisch verbunden werden. So findet der Betrachter die charakteristischen roten Säulenstreifen an den Gewölben und Rundbögen der mittelalterlichen Kirche hier wieder. Für die Darstellung der Michaeliskirche wurde auf eine alte Zeichnung aus dem 17. Jahrhundert zurückgegriffen, um auf die Historie und deren Entwicklung Bezug zu nehmen. Mit hellen Streifen und Flächen gewinnt die Fassade an Lebendigkeit und die Lichter im Sockel der Kirchengrafik beginnen zu strahlen. Durch die Kombination der geometrischen, flächigen Darstellung in Verbindung mit dem skizzenhaften Charakter der Kirchen-zeichnung erhält die Fassade eine eigene Sprache und Dynamik. Als Blickpunkt der Straße soll der Entwurf von weitem schnell erfassbar sein, sich jedoch dezent und unaufdringlich in das Farbkonzept des Straßenzugs eingliedern.
Thomas Granseuer: Der Entwurf wird während der Planung, Vorbereitung und Umsetzung immer wieder mit den Akteuren abgestimmt. Das Künstlerkollektiv Quintessenz Creation bringt die Grafik innerhalb von zwei Wochen an die Fassade an. Der Entwurf wird über ein Raster, eins zu eins vom Entwurf auf dem Papier auf die Wand übertragen. Dabei entsteht die Gestaltung partiell und zieht sich Stück für Stück über die gesamte Fassade. In mehreren Schritten werden so die verschiedenen grafischen Elemente und Farben bis zur detailreichen Ansicht der Michaeliskirche auf die Wand angebracht.
4. Warum werden Fassaden gestaltet?
Sabrina Federschmid und Carla Volle: Die Farbgestaltung am Einzelgebäude beeinflusst das Straßenbild und damit die Gesamterscheinung einer Stadt. Sie dient zur Aufwertung eines Gebäudes und kann einzelne Faktoren erfüllen, wie die Steigerung der Attraktivität sowie Schaffung von Identität, Orientierung und Erlebniswert. Dabei geht es um das Zusammenspiel der nebeneinander liegenden oder in Blickbeziehung zueinander stehenden Gebäude. Eine gelungene Fassadengestaltung beinhaltet die Abstimmung und Gliederung von Farbe und Material mit Architektur und deren einzelner Elemente. Schon durch wenige Veränderungen wie Neugliederung der Farbflächen, farbliche Anpassung von Tor und Tür zur Fassade und das „Achtgeben" auf Bodenbelag, Dachfarbigkeit und Nachbargebäude kann zu einem sichtbar positiven Ergebnis führen.
5. Wann beginnen die baulichen Veränderungen am Haus?
Mitarbeiter Simchen: Der Einbau der neuen Fenster und die Fassadensanierung erfolgen Anfang Mai. Eine Fertigstellung ist für Mitte Juni vorgesehen.