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Wohnungssuche bei Familie Schwalbe

(Stadtteilzeitung MQ August 2016 - Dieter Goy)

Seit April/Anfang Mai sind sie aus Afrika zurück, die Frühjahrsboten, Glücksbringer, Wetterexperten und Flugkünstler: Unsere Schwalben.
Früher waren sie in fast allen Hildesheimer Stadtteilen zu Haus, nicht nur auf dem Land.

Heute sind sie aus dem modernen Stadtleben praktisch verschwunden. Den Grund müssen wir bei uns selbst suchen.
Ausgerechnet bei uns im Michaelisquartier halten sie eine letzte Bastion, ähnlich Asterix und Gefährten im römischen Gallien. Etwa 20 Mehlschwalbenpaare suchen in der Ritterstraße, Burgstraße, dem Langen Hagen und Alten Markt im Frühjahr ihre angestammten Wohnquartiere, oben an den Häusern, um ihre Jungen groß zu ziehen. Standorttreu finden sie immer weniger dieser vor. Abgeschlagene Nester wegen ein bisschen Schmutz, Fassadensanierung, kaum noch lehmiges Material für den Nestbau oder wenigstens für die Reparatur werden dafür sorgen, dass wir auch sie verlieren werden. Wenn es da nicht den „Runden Tisch“ im MQ geben würde. Eine kurze Darstellung der Problematik, Einholung von Rat bei Experten, und schon war das Projekt „Rettet die Schwalben im Quartier“ geboren. Ziel ist es, den Schwalben durch zusätzliche Nisthilfen und Anlegen von Lehmpfützen bessere Überlebenschancen zu geben.
Als Partner konnte der NABU gewonnen werden, der vor 2 Jahren bereits landesweit das Projekt „Schwalben willkommen“ ins Leben gerufen hat. Er bietet fachliche Beratung und praktische Hilfe mit Angeboten für Nisthilfen. Erster Schritt ist die Kontaktaufnahme zu den betroffenen Eigentümern, um vorhandene Nistplätze mit Nisthilfen zu ergänzen.
Der Erfolg war bislang begrenzt,  in einem Fall am Alten Markt sogar abschlägig. Schön wäre es, wenn weitere Hauseigentümer unter 0171 – 7849229 Bereitschaft zur Schwalbenhilfe anmelden würden.  Immerhin, ein Anfang ist gemacht: Am 17. Mai wurden am Alten Markt 64, 2 Häuser neben dem Haus mit bestehenden Nestern, 4 Kunstnester mit Schutzbrettern angebracht und warten auf  die Mieter. Geduld ist angesagt! Und Hoffnung!             
Übrigens: Vom NABU wurden an gleicher Stelle 3 Mauerseglerkästen installiert. Denen droht das gleiche Schicksal. Noch sieht man die schnellen Segler, meist in Gruppen, überall um die Häuser jagen, allerdings nur noch halb so viel wie vor 30 Jahren. Hierbei sieht sich sogar die Stadt in der Pflicht: Auf Anregung des NABU wurde kürzlich einstimmig ein Ratsbeschluss auf den Weg gebracht, um zumindest öffentliche Gebäude bei Sanierungen naturgerecht herzurichten. Für Mauersegler, andere Vögel und sogar für Fledermäuse gibt es eine Zukunft. Nachahmung empfohlen!