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Geheimnisvolle Besucher im Magdalenengarten

(Stadtteilzeitung MQ Juni 2016 - Dieter Goy)

Der Rosengarten im MichaelisQuartier bietet den Besuchern nicht nur tagsüber seine schönen Seiten, er ist auch nachts mit Anbruch der Dämmerung Ziel zahlreicher Lebewesen. Die haben allerdings nicht die Blütenpracht im Sinn, sondern sind auf der Jagd! Fledermäuse!

Man muss schon gutes Sehvermögen haben, um sie zu entdecken. Sie sind klein, flink, scheinbar geräuschlos und uns etwas unheimlich. Solange man sie nicht genauer unter die Lupe genommen hat. Zart gebaut, weiches Fell, familienorientiert, gesellig und eigenwillig. Und beißen können sie auch! Das tun sie, wenn sie ihre Beute im Visier haben: Insekten, Nachtfalter und auch Maikäfer. Sie unterhalten und orientieren sich über ihr phantastisches Hörvermögen im Ultraschallbereich, für uns Menschen eben nicht oder nur mit Hilfe spezieller Detektoren zu hören.
Soviel zu den nächtlichen Besuchern. Zur Ergänzung: Fledermäuse sind streng geschützt und überwintern in frostfreien Höhlen, und die gibt es im Magdalenengarten!
Im 2. Weltkrieg, Anfang der 1940er Jahre, wurden im östlichen Bereich Hilfsbunker für die Waffen-SS gebaut. Die hatte sich unseligerweise im Michaeliskloster einquartiert und offensichtlich da schon Böses geahnt. In der Nachkriegszeit der 1950er bis 1960er Jahre wurden sie von den Schwestern, die den Garten betreuten, vermutlich als Abstellraum genutzt, bevor sie bis 2002 in Vergessenheit gerieten. Der Weckruf kam aus verschieden Quellen, nachdem Naturschutz einen neuen Stellenwert in der Öffentlichkeit erfahren hatte und auch Fledermausschutz zum Thema wurde. Hierzu besonders hervorzuheben ist die Untere Naturschutz-Behörde der Stadt Hildesheim und Michael Sackmann, der für die Caritas den Garten bis heute betreut.
Idee: Bunker als Quartier für Fledermäuse!
Patenschaften für zwei der unterirdischen Bunker wurden schnell gefunden,  Fachwissen für die Einrichtung eingeholt und Finanzmittel zum Umsetzen eingeworben. Das fledermausgerechte Herrichten war zeitaufwendig und nicht einfach, konnte aber rechtzeitig zur feierlichen Einweihung des „neuen“ Magdalenengarten am 18. Juni 2004 fertiggestellt werden. Danke an dieser Stelle allen Aktiven! Beispielhaft für alle sei hier die Geschichte eines Bunkers erzählt, der besonders liebevoll hergerichtet wurde. In der Moritzberger St. Mauritiusgemeinde hatte Hubert Ingelmann davon gehört und seine „Natur- und Umweltgruppe St. Mauritius“ für die Patenschaft begeistern können. Über ein Jahr wurde geackert, Wissen vom NABU und BUND angeeignet, spezielle Bimssteine aus Braunschweiger Restbeständen und weitere aus der ehemaligen Schießanlage der Schützen am Seniorengraben besorgt, Wannen, Gestelle und Halterungen aus feuerverzinkten Stahl selbst gebaut, beschichtet und montiert, eine Zwischentür zur Wärmedämmung (nie wurden unter 5° C gemessen!) eingebaut.
Die gesamte Gruppe wurde übrigens  zur Einweihung 2004 eingeladen und dort sicher auch geehrt. Die Pflege, z.T. mit Hilfe des Magdalenenhofs, wurde über die Jahre regelmäßig ausgeführt, die Anlage sieht heute aus wie neu. 2016 wurde die Betreuung dem NABU KV Hildesheim anvertraut. Besichtigung beim Magdalenenfest im Juni ist möglich.
Leider konnte bislang keine Überwinterung unserer Freunde nachgewiesen werden. Expertenmeinung dazu: man muss viel Geduld haben …