Volkshochschule Hildesheim

„Handwerk und Tradition“ - ein ehemaliger Buchdrucker erzählt

(Stadtteilzeitung MQ April 2016 - Redaktion)

„Handwerk und Tradition“ unter diesem Motto startet der Magdalenenhof in diesem Jahr verschiedene Aktivitäten im Haus und im Quartier.
Mitte März lud „Magdalenenhof mittendrin“ beispielsweise zu einem gemütlichen Frühstück mit einem besonderen Gast ein. Wolf-Hermann Otte war früher Buchdrucker und erzählte über seine berufliche Tätigkeit. 1939 in Neustrelitz in Mecklenburg geboren, stellte sich für ihn im jugendlichen Alter nicht die Frage nach seinem Traumberuf.


Pragmatisch war es für ihn wichtig, schnell seinen Lebensunterhalt selbst verdienen zu können. Da ging es ihm nicht anders als vielen der Anwesenden - einigen Bewohner/innen des Magdalenenhofs und zahlreichen Männer und Frauen aus dem Quartier. Fast zufällig stieß Wolf-Hermann Otte auf die Buchdruckerei. In Braunschweig machte er eine dreijährige Lehre zum Buchdrucker bei der Braunschweiger Presse.
Mit der Lehrzeit verbindet er viele lebhafte Erinnerungen. Kaum vier Wochen im Betrieb wurde er schon ganz selbstverständlich für die Mitgliedschaft in der Gewerkschaft geworben. 20 Pfennig pro Monat betrug der Mitgliedsbeitrag damals. Auch an die täglich im Betrieb verteilte Milch erinnert er sich genau. Sie sollte vor den gesundheitlichen Risiken im Umgang mit Blei schützen. Lachend berichtete er von diversen Späßen, die die früheren Kollegen sich mit dem frischgebackenen Lehrling erlaubten. So schickte man ihn beispielsweise kreuz und quer durch den Betrieb, das Berliner Augenmaß zu holen. So mancher Frühstücksgast wusste hierzu ähnliche Anekdoten beizutragen. Später dann gefiel es ihm gut, schon als Lehrling eine sogenannte Anreicherin zugeteilt zu bekommen. Sie reichte ihm z.B. die Papierbögen an oder säuberte die Farbwalzen seiner Maschinen. Wolf-Hermann Otte war fasziniert von dem vielfältigen Handwerk.
Nach seiner Lehrzeit arbeitete er in unterschiedlichen Betrieben, ab 1969 als Meister bei der Hildesheimer Druck- und Verlagsanstalt. Besonders stolz ist er auf ein Buch, das er damals gedruckt hatte: Bettina von Arnhim „Werke und Briefe“. Am Beispiel dieses Buches erläuterte er, wie sehr es beim Buchdruck auf genaue Maßarbeit ankommt. Auch sonst erfuhr die interessierte Zuhörerschaft manches über Buch-, Offset-, Tief- und Siebdruck. Ein kleiner Film machte schließlich noch den Vierfarbendruck im Buchdruckverfahren, wie er in den 70er Jahren praktiziert wurde, sehr lebendig.
Im Laufe der Jahre lösten zunehmend digitale Druckverfahren den Buchdruck ab. So wurde es auch für Herrn Otte wichtig, sich umzuorientieren. Viele Jahre, bis zu seinem Renteneintritt 2002, arbeitete er als Fachpraxislehrer an der Berufsschule. Hier konnte er sein vielfältiges Wissen an die nächsten Generationen weiter geben.
Noch heute liegt ihm der Buchdruck am Herzen. Ehrenamtlich arbeitet er im Druckereimuseum im Tempelhaus mit. Ein Besuch dort ist in den nächsten Monaten geplant. Wer sich hierfür interessiert melde sich bitte bei „Magdalenenhof mittendrin“,  Tel. 20 40 9 16.