Werbung Michaelisheim

Das Welterbe präsentiert sich

(Stadtteilzeitung MQ März/2013 - Redaktion)

In der letzten Ausgabe wurde im Artikel „Abschlussfeier zur Sanierung von St. Michaelis" bereits auf die Welterbeveranstaltung „Integrierte Stadtentwicklungsstrategien für das Welterbe" hingewiesen, die am 5.02.2013 in Frankfurt am Main stattfand.
[Bild: © nsp landschaftsarchitekten stadtplaner, hannover - Vergrößerung durch Klick]

Thorsten Warnecke, Leiter des Fachbereichs Stadtplanung und Stadtentwicklung, hielt dort einen Vortrag mit dem Titel:
"Stadträume vernetzen: Hildesheims Welterbestätten als städtebauliches Bindeglied". Auszüge aus dem Vortrag werden nachstehend wiedergegeben:
Ausgangspunkt für das von großem Einvernehmen zwischen der Stadt, der Evangelischen und der Katholischen Kirche getragene Hildesheimer UNESCO-Projekt war das Ziel, das gemeinsame Welterbe aus Mariendom und Michaeliskirche nicht allein durch eine Sanierung der Gebäude, sondern auch durch gezielte städtebauliche Akzente nachhaltig in ihrem Kontext zu stärken und erlebbar zu machen. Es galt, Barrieren abzubauen und die Welterbestätten besser zu vernetzen – also Wege zum Welterbe zu schaffen, die den Besucher wie selbstverständlich vom Markt zu den Sehenswürdigkeiten führen.
Start- und Zielpunkt dieses Pfades ist das Knochenhaueramtshaus am Markt. Dort soll künftig ein zentraler Anlaufpunkt für Reisegruppen eingerichtet werden, der auf den Weg zu den Welterbestätten aufmerksam macht.
Thorsten Warnecke nahm die Teilnehmer auf einen virtuellen Rundgang durch die Stadt mit – beginnend am Kurzen Hagen. Hier wird die Projektidee besonders deutlich: Die gestalterische und funktionale Aufwertung der historischen Straßenzüge und Sichtachsen. Der Einbau eines Granitplattenbandes mit Lichtstelen und Lichtleisten bildet das prägende Motiv des Themas "Wege zum Welterbe". Dieses Thema zieht sich als Konstante durch unterschiedliche Stadträume und wurde so konzipiert, dass es sowohl in der Fußgängerzone als auch in den Wohnstraßen des Michaelisquartiers und um den Dom mit ihren jeweiligen Texturen funktioniert. Im Jahr 2013 wird es noch ergänzt um Möblierungselemente und ein Fußgängerleitsystem.
Weiter führt das Band über die historische Verbindung vom Markt über die Michaelisstraße, mit ihren denkmalgeschützten Fassaden des Wiederaufbaus, auf den Michaelishügel. Hier ist der Straßenumbau in vollem Gange. Das nun ins Blickfeld geratene Umfeld von St. Michaelis wurde im Rahmen des Programms völlig neu gestaltet. Die zuvor durch parkende Autos und Sichtbarrieren distanzierte Kirche öffnet sich heute über eine Freitreppe mit hoher Aufenthaltsqualität in das Michaelisquartier. Der Vorplatz wurde vom ruhenden Verkehr befreit und der Hügel entwickelt sich zunehmend zur lebendigen Quartiersmitte und zum Nachbarschaftstreffpunkt – nicht zuletzt auch durch das neu eröffnete Michaelis WeltCafé.
Der Burgstraße folgend, entdeckt man den beispielhaften Wandel von der Fachwerkstadt und deren Zerstörung im Krieg zur heutigen Situation. Heute bietet die Burgstraße einen großzügigen barrierefreien Seitenraum als direkte Verbindung zwischen Dom und St. Michaelis.
Weiter führt das Band in den Domhof, der ebenfalls umgestaltet wird. Der Mariendom, eine Perle mittelalterlicher Baukunst, wird innen und außen wieder mit Glanz erfüllt und erhält mit dem neuen Platz eine angemessene und hochwertige stadträumliche Einfassung.
Zurück zum Markt führt das Band durch die neugestaltete Kreuzstraße. Noch in diesem Jahr wird der Welterbepfad mit dem Lückenschluss zum Markt vervollständigt.
Thorsten Warnecke berichtete abschließend noch über zwei wesentliche Aspekte im Rahmen der Umsetzung. Erstens die Erkenntnis, dass der Stadtraum wesentlich von den Fassaden geprägt wird und nicht auf öffentlichen Flächen allein ein Quartier erneuert werden kann. Mit Hilfe eines Farbmasterplans werden Qualität und Farbigkeit der das Stadtbild prägenden Fassaden definiert und über Zuschüsse Eigentümer animiert, mit der Sanierung ihrer Häuser einen Beitrag zur städtebaulichen Erneuerung zu leisten. Zweitens war es wichtig, nicht allein mit den Fachleuten aus Bauwissenschaft und Denkmalpflege zu bauen, sondern die Bürgerinnen und Bürger einzubinden und mitzunehmen. Denn das Quartier ist für die Menschen vor Ort zuallererst ihre Heimat und ihr Wohnumfeld.
Im Ergebnis zeigt sich schon heute, dass das Michaelisviertel und seine Bewohnerinnen und Bewohner in besonderer Weise am Welterbeprojekt partizipieren. Durch das Investitionsprogramm und eine Vielzahl privater Investitionsmaßnahmen wurden die Welterbestätten und das Quartier erneuert und wieder ins rechte Licht gesetzt.

Weitere Informationen zur Welterbeveranstaltung finden Sie unter www.welterbeprogramm.de.